AKTUELLES AUS KUBA


 

01.05.2020
Lianne Morales,
Havanna

  01.05.2020
Yuniel Doble Ponce,
Matanzas
  01.05.2020
Miguel Calero Caraballo,
Pinar del Río
 

   
  Ich danke Gott für seine Hilfe inmitten dieses katastrophalen Virus, das die Welt beherrscht.
In Kuba haben alle unsere Provinzen positive Fälle des Virus gemeldet. Die kritischste Situation gibt es in Havanna, da es die Stadt mit der größten Einwohnerzahl ist.
Hier sind ganze Stadtviertel unter Quarantäne gestellt.

Was mich angeht, fühle ich mich wohl mit meiner Familie. Ich widme weiterhin Zeit dem Gebet. Außerdem übe ich viel mit meinem Kind, lese und schaue Videos und Filme. Allmählich wird es ein bisschen langweilig. Daher habe ich beschlossen, einen kleinen Garten auf dem Dach des Hauses anzulegen. Zusätzlich widme ich Zeit dem Nähen. Vom meiner Arbeit bin ich frei gestellt. So bin für die Dauer dieser Pnademie Hausfrau.

Jetzt habe ich Zeit in der Küche neue Rezepte auszuprobieren. Doch viele Lebensmittel sind knapp und sehr schwer zu finden. Kürzlich haben wir „congris“ (ein typisches kubanisches Rezept aus Reis und Bohnen) mit Spaghetti gemacht. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können, aber die Erfindung hat funktioniert. Kubaner sind immer innovativ.

Wir sind auch sehr vorsichtig, wenn jemand aus der Familie loszieht, um Lebensmittel oder andere Grundbedürfnisse zu kaufen. Es ist ein hoher Aufwand, das Leben meines 10-jährigen Jungen, meiner 94-jährigen Großmutter und meines Vaters, der über 70 Jahre alt ist, retten zu wollen.

Wir haben vor kurzem ein Fahrrad gekauft, um uns fortbewegen zu können. Der öffentliche und private Verkehr für den Personentransport ist bereits lahmgelegt. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, die Zahl der Infizierten zu verringern.

In den Geschäften gibt es immer noch lange Schlangen, deshalb schaue ich vor den meisten Einkäufen im Internet nach, aber leider ist unser Netz schlecht. Manchmal dauert es drei Tage, um eine Bestellung aufzugeben. Ich habe das Glück, dass meine Tante und mein Cousin uns geholfen haben, indem sie uns Lebensmittel besorgt haben. Zweimal in der Woche kommt ein Arzt zu mir nach Hause und stellt uns Fragen darüber, wie es uns geht, und das ist sehr gut.

Ich vertraue auf Gott, aber gleichzeitig bin ich vorsichtig. In meiner Nachbarschaft wurde eine Dame wegen Coronaverdachts ins Krankenhaus eingeliefert. Dort machten sie einen Test. Das Ergebnis gibt es in zwei Tagen. Wenn ihr Test positiv ausfällt, wird meine gesamte Nachbarschaft unter Quarantäne gestellt und wir werden alle getestet.

Auf der anderen Seite ist ein Freund und Glaubensbruder seit zwei Tagen krank und positiv getestet worden. Das hat uns sehr beunruhigt, denn seine Eltern sind sehr alt und wollten das Haus nicht verlassen, um in ein Krankenhaus zu gehen.

Zu Hause haben wir jeden Tag um 21.00 Uhr eine Gebetszeit; diese Zeit beginnt mit einer Minute der Fürbitte für die Ärzte und die Menschen, die gegen die Pandemie arbeiten. Dann nehmen wir uns Zeit zum Singen, wir danken Gott für das Leben, wir beten für die Situation, die die Welt erlebt, wir beten um die Barmherzigkeit Gottes für die Menschheit, wir beten für die Länder, die sehr vom Virus betroffen sind und die so viele Tote haben. Wir beten für ein Erwachen der Kirche und eine Erweckung für unser Leben.
 

Die Schaffung von Isolationszentren war eine eine der Maßnahmen unserer Regierung gegen die Covid-19-Pandemie. Dort soll die Möglichkeit gegeben werden, Personen, die die Krankheit haben könnten oder Kontakt mit positiv getesteten Personen hatten, zu isolieren. Jedes Zentrum verfügt über medizinisches Personal, welches aus Ärzten und Krankenschwestern besteht. Weiter arbeiten dort Mikrobiologen für die Behandlung von Proben sowie Personal, das für die Sterilisation der Räumlichkeiten und andere Basisarbeiten vor Ort verantwortlich sind.

 

Meine Erfahrung als Freiwilliger im Isolationszentrum der Universität Matanzas war ein Gefühlsmarathon. Ich wurde um Hilfe gebeten. Am Anfang hatte ich meine Zweifel und es dauerte ein paar Stunden, bis ich mich entschieden hatte. Doch ich sah es als meine Pflicht an - als Mensch und als Christ war. So willigte ich ein. Die Arbeit war ziemlich hart. Wir sind 4 Freiwillige, die für 31 Patienten verantwortlich sind. Unsere Aufgaben sind das Verteilen der Mahlzeiten, Frühstück, Mittagessen, Nachmittags- und Vormittagssnacks, die Utensilien waschen, die Räumlichkeiten reinigen, die Oberflächen desinfizieren, die Laken, Handtücher und Gesichtsmasken wechseln, Gegenstände der persönlichen Pflege verteilen, uns um die Beschwerden kümmern und andere Aufgaben erledigen - und das jeden Tag, 14 Tage lang. 

 

Zuerst war ich stolz darauf, meinen Beitrag in der Krise geleistet zu haben. Dann war ich ziemlich erschöpft und manchmal auch voller Angst, besonders dann, wenn wir die Testergebnisse erhielten. Bin ich „positiv“ getestet? In dieser Zeit so vieler Spannungen hatte ich beschlossen habe, meiner Familie meine Entscheidung wegen des empfindlichen Gesundheitszustandes meiner Mutter nicht mitzuteilen. So hatte ich nur die Unterstützung meiner Brüder und Schwestern mit ihren Gebeten und ich wusste um den Schutz des himmlischen Vaters.

 

Jetzt warte ich auf das Ergebnis meines Tests in einem Isolationszentrum für Ärzte und Freiwillige. Hier bin ich der Patient unter Quarantäne und blicke mit Dank zurück auf 14 Tage Dienst in dieser Krise.

  Hier ist die Situation schrecklich, wir überleben praktisch mit Brot und Wasser, aber wir vertrauen auf Gott.